Aber das sind ja gar keine echten Muslime!


Muslime sind an ihrem schlechten Image selbst schuld. Nein, die meisten Muslime sind keine Terroristen. Ja, zumindest in Europa und Nordamerika lehnen die meisten Muslime Gewalt ab. Und nein, beliebige einzelne Muslime sind nicht für Gewalt, religiösen Zwang und Sexualitätsfeindlichkeit auf religiöser Basis verantwortlich. Wohl aber dafür, diese religiöse Basis nicht nur zu ignorieren, sondern aktiv zu verleugnen und so dazu beizutragen, dass sich islamische Gesellschaften auch weiterhin nicht zu reformieren willig oder in der Lage sind.

Zuallererst ist das grottenschlechte Mathematik. Wenn eine Menge A die Teilmengen B und C enthält, sind B und C weder automatisch miteinander noch automatisch mit A identisch. Genau dieser Annahme, nämlich die, dass sie es seien, unterliegt das immer und wieder fast schon manisch geäußerte Mantra, die Attentäter des 11.09.2001, so deren Täterschaft überhaupt anerkannt wird, die Taliban, Hamas, der IS, ehrenmordende Migranten in Westeuropa seien ja gar keine „echten“ Muslime. Was sie stattdessen sein sollen, erfährt man nicht. Dass diese Organisationen und Menschen Muslime sind, wird als persönliche Beleidigung erfahren, als der Vorwurf, man selbst als Muslim sei einer „von denen“. Vielleicht liegt darin schon das unbewusste Eingeständnis, dass islamischer Terror eben ein spezifisch islamischer Terror ist und deshalb auch mit islamischen religiösen Inhalten erklärt werden muss. Teil dieser Inhalte, seien sie nun Teil der schriftlichen Überlieferung oder der religiösen Tradition, ist auch die Auflösung des Individuums im Kollektiv, die sich widerspiegelt in der Empfindung, man werde mit religiösem Terror in eins gesetzt.

Für viele, auch für viele liberale Muslime, scheint es undenkbar, dass der Islam als religiöse Ideologie eben sehr viel Ekelhaftes erzeugt, aber dass Muslim zu sein nicht automatisch bedeutet, Teil der Ekelhaftigkeit zu sein. Man macht sich aber zu einem Teil, oder zumindest einem Rechtfertiger dieser Ekelhaftigkeit, wenn man sich weigert, sie aus der eigenen Position als Muslim heraus zu kritisieren, und zwar als etwas, das Teil des aktuellen Islams ist. Es ist eine Binse, dass, wer kein Teil der Lösung ist, Teil des Problems ist. Passiv und desinteressiert zu sein ist kein Verbrechen, aber wer ein Problem erkennt und die Auswirkungen dieses Problems als schädlich für sich selbst empfindet, löst dieses Problem schlicht nicht, indem er es zu einem Problem anderer Leute macht, sondern trägt im Gegenteil noch dazu bei.

Exkommunikation löst keine gesellschaftlichen Probleme, sie poliert bestenfalls(!!) nur das Image des jeweiligen Mainstreams, und wenn es keine Autorität gibt, die „offiziell“ exkommunizieren kann, ändert diese Exkommunikation auch nichts am selbstbeworbenen Status des vorgeblich „Exkommunizierten“. Ein türkischer Aktivist für Religionsfreiheit hat genau dieselbe Legitimität, sich als einen „echten“ Muslim zu bezeichnen wie ein palästinensischer Attentäter, weil keine Autorität existiert, die festlegt, wer nun als Muslim zu gelten hat. Muslime sollten daher weniger Energie investieren, zu erklären, was der Islam ist oder eben nicht ist, und mehr darin, sich zu fragen, was der Islam sein sollte.

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