Sterntaler.


Jeder kennt ja das Märchen aus Woyzeck und weiß ungefähr was darin passiert.

Was hingegen nicht jeder weiß, ist, dass die Brüder Grimm ungefähr zur gleichen Zeit ein ganz ähnliches Märchen aus den abgrundtiefen Flachstellen der Volksfrömmigkeit und sogenannten -weisheit hervorgegraben hatten. Dieses Märchen hieß Sterntaler. Man muss es nicht kennen. Es hat eine sehr widerliche Moral. Zwei Dinge möchte ich dazu anmerken.

1. Ich weiß ja nicht, was das für ein Universum ist, in dem das Märchen stattfindet, aber wenn ich durch den Wald laufe und mir kommen nacheinander ein alter Mann und vier halbnackte Kinder aus derselben Richtung entgegen, dann werde ich doch mindestens stutzig.

2. Was wir daraus lernen: Wenn du eh schon nichts hast, gib es ruhig weg, scheißegal ob du eine neunzigprozentige Chance hast in den nächsten zwei Stunden elend zu verrecken. Hauptsache bissle Gottvertrauen, dann geht das schon. Nein, wir müssen nichts erwähnen über Leute, die sichs leisten können, ihren Besitz wegzugeben, weil sie davon genug haben, denn das ist ja gar nicht ihre Aufgabe, die müssen nämlich leistungsträgern. Und nicht nur, dass es sehr löblich ist, seine Überlebensschance bis zum Morgen von ursprünglich vielleicht 12% auf 0,3% zu reduzieren, nein, man muss dabei auch noch gefälligst schamhaft sein und hoffen, dass niemand, nichtmal man selbst, einen nackt sieht, denn das macht das ganze Gutermenschsein wieder zunichte!

Also eigentlich ein Märchen, das in den aktuellen aufklärungsfeindlichen Zeitgeist ganz gut reinpasst.

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Über onechordbassist

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