selbstdialog.


Kein Freund von Isolation//vielleicht früher mal, nämlich im Glauben, es seien alle wie die, die ich kannte//Beweis genug für die Grausamkeit der Isolation in rudimentär urbanen Gegenden. Ich ertrage es nicht, unter Verwandten zu sein; nicht weil ich sie verachte, sondern weil sie fast 20 Jahre lang 70% meiner Gesamtbekanntschaften ausmachten//und weil ich keine Unterhaltungen schätze, in denen man nicht kommuniziert, sondern nur Laute austauscht. Das aber nachzuvollziehen fällt denen schwer, die das für selbstverständlich halten//ich aber verzweifle in Gesellschaften, in denen ein Gespräch über die ekligen Konsequenzen aller Antimodernismen unmöglich ist, in denen nie jemand was von Marcuse oder Evola gehört hat und man daher auch nicht darüber diskutieren kann, ob man ersteren auch dann noch bedenkenlos zitieren kann, wenn einem bewusst ist, dass er letzteren viel zu sehr schätzte, um noch als ganz sauber durchzugehen//das nur als Beispiele//so wie der Umstand, dass ich der einzige in meinem mittlerweile gar nicht mehr so geringen Bekanntenkreis bin, der jemals was von kladistischer Taxonomie gehört hat bzw überhaupt erstmal die Begriffe der traditionellen Taxonomie korrekt verwendet und in den Fällen in denen ich es nicht tue immerhin meinen Fehler korrigiere anstatt klugscheißerisch weiterzureden „Du weißt was ich meine und es ist scheißegal weil sich außer dir (DU NULPE!!) eh niemand dran stört.“//Gab es früher einmal mehr Kritiker als Künstler?//Es gab auf jeden Fall niemals mehr Kritiker als Irrtümer//und schon gar niemals mehr Kritiker als Irrende//oder zu Kritisierende.//Dialoge kann ich an diesem Ort nur mit mir selbst führen//wie traurig//die Doppelslashes indizieren jeweils die Antwort des imaginierten Partners//aber einen solchen kann ich mir hier nichtmal wünschen, sondern nur hoffen, bald wieder WLAN zu haben. Ich bin für Dekadenz, aber gegen Abhängigkeit//aber hat man mich nicht mit der aufgezwungenen Selbstverständlichkeit der Ignoranz erst in die Abhängigkeit getrieben?//Ich bin, war, werde für alles, was ich jemals begonnen habe viel zu alt sein.//Ich bin sieben oder acht Jahre zu alt mir eine Ratte anzuschaffen//bin ohnehin viel zu alt um noch als schlau zu gelten, nur weil ich weiß was kladistische Taxonomie ist und wie sie funktioniert//es ist nicht cool, dass ich eine Ausnahme bin mit sowas, sondern traurig, dass mir die Ausnahme aufgezwungen wurde//ich bin viel zu alt, jetzt noch mit selbstverwalteter Jugendsubkultur zu beginnen//was für erfolgreiche bzw „coole“ Bands genauso gilt//und für politische Arbeit.//Anders gesagt, in der Zeit, in der mein Leben hätte anfangen können, wurde es beendet und ich musste mich mit Desinteresse begnügen//Desinteresse, das noch immer viel zu schwer an mir zieht und immer noch stärker ist als mein Wille zur Selbstemanzipation//wie traurig, wenigstens da keine Ausnahme zu sein.//Gibt es denn…?//Ja, natürlich gibt es Diskussionen, aber Diskussion ohne Analyse, das ist wie Sex, den man in Pornos sieht//d.h. wie Reigentanz per se//ritualisierte Scheiße ohne Inhalte, Langeweile in Worte gefasst//nein, vielmehr die Flucht vor der Langeweile in neue Langeweile verkleidet//vor Gedanken hat man Angst und bleibt beim Gewohnten//als hätte man Angst, das Gegenüber nähm jeden Dissens persönlich//was aber ist der Reiz an einer Familienfeier, wenn sie nicht das Risiko birgt, dass sich danach alle auf den Tod hassen? Oder anders gefragt… was ist der Reiz an einer Runde, in der alles Konsens ist//was ist der Reiz an einer Unterhaltung ohne Spannung? Wie funktioniert ein Leben, in dem nicht jeder Satz, der geäußert wird, mindestens drei neue Fragen aufwirft//langweilt das nicht zu Tode?//Gegen sich selbst GUTERBULLEBÖSERBULLE spielen nervt auf Dauer auch, sogar dann, wenn man sich über die Rollen nicht im Klaren ist//noch viel mehr, wenn die Guten und die Bösen Bullen Ernst machen, wenn sie in Form der DNA-Lizenz-Mitbenutzer am Tisch sitzt und sich mit einem volllaufen lässt mit Wein und man mitmacht, weil im Suff wenigstens die Zeit schneller läuft. Aber alle Gespräche reißen kurz an, was drei Minuten später fesseln könnte, bliebe man dabei//aber wenn es anfängt interessant zu werden, geht der Gedanke zu tief und man tut was man kann ein anderes Thema zu finden//Guter Bulle antwortet, Böser Bulle schneidet dein Wort ab, sobald du eine Frage stellst//keine Fragen. Keine Fragen. Keine Fragen.//Und nein, man kann die Art von Logik, die ein andrer nicht versteht, nicht mit eben dieser Logik erklären//und wenn ich mich jahrelang selbst unpräzise wie Scharfschützenschrotflinten ausgedrückt hab, hatte irgendwie jeder das Recht, genau das Gegenteil von dem zu verstehen, was ich ausdrücken wollte, aber ich darf nichtmal nochmal nachfragen; wenn ich das tue, bin ich Klugscheißer, Nervensäge, mach das mit Absicht, zerstöre die Unterhaltung.//Guter Bulle und der Böse Bulle erhalten das Gespräch am Leben//Leben wie in „persistierender vegetativer Zustand“, Leben wie in „Locked-In-Syndrom“, Leben wie in Johnny Got His Gun.//Guter Bulle, Böser Bulle//Keine Fragen//Keine Fragen//Nein, von mir auch nicht//und von meinem imaginierten Gesprächspartner auch keine//und von mir auch keine.
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