Ableism.


Also, stören tut mich’s nicht, als Freak, Spinner oder ähnlich bezeichnet zu werden. „Sheldon“ geht auch, auch wenn ich, hätt ich eine Schwester, ihr um nichts in der Welt vorschreiben würd, mit wem sie zu vögeln hat, nur weil meine sogenannten Freunde alle finden, dass sie unglaublich heiß wär. „Vollidiot“ ist auch ok, ebenso „Alien“, „Kannstdumalnichtfürfünfminutendieklappehalten“ und genervtes Augenrollen.

Aber um alles in der Welt, tut folgende Dinge nicht, niemals und unter keinen Umständen:

1. Nennt mich NIEMALS „etwas ganz besonderes“.

2. Drückt NOCH VIEL SELTENER euer „Beileid“ über den Zustand meines ZNS aus. Höchstens über die Umstände, in denen es zu dem hasserfüllten Zyniker wurde, als den es mich betreiben möchte. Aber dann tut nicht, um alles in der Welt, nicht so, als könnt man daran nichts ändern, als wär das „Natur-“ oder „Gottgewollt“ oder ein Zustand, der so perfekt (in eurer Definition des Wortes, nicht in meiner) ist, dass jede Veränderung daran nur eine Verschlechterung jedes einzelnen Teilzustandes wäre.

3. Wenn ich irgendeinen Diagnosetermin anstehen hab, sagt mir NIEMALS ins Gesicht, dass ihr mir einen Negativbefund wünscht. Es gibt einen Grund, warum ich einen Termin überhaupt erstmal ausmache.

Und lasst euch bitte nicht von dem ruhigen oder womöglich verlegenen Tonfall irritieren, in dem ich euch erkläre, dass ich es nicht mag, wenn man mir diese Dinge sagt. Ich mag euch und will nicht, dass ihr merkt, dass ich mich innerlich gerade mit der Frage beschäftige, wie ich die Pfähle, von denen ich euch gerade nach einer Woche runtergenommen habe, von eurer Scheiße befreie. Bisher haben mir sowas nur Menschen gesagt, die ich ausgesprochen gern habe (außer der Mitleidgeschichte. Alle, die mir bisher etwas ähnliches entgegengebracht haben, hatten irgendeine Autoritätsposition inne, was kombiniert schon Grund genug ist, sie dafür zu hassen.), und ich möchte nicht, dass ihr euch meinetwegen scheiße fühlen müsst. Ich wollte es nur mal erwähnt haben. Und es ist ja auch nicht so, dass ihr damit irgendwas ändert an

1. dem Umstand, dass NIEMAND, auch ihr nicht immer, auf so naheliegende Sachen wie Filterschwäche Rücksicht nimmt (ich nehm auf meine ja auch keine Rücksicht, wenn ich den Fernseher laufen lass, wenn ich am Laptop sitze) und ich das, wenn ich in der Öffentlichkeit unterwegs bin, auch gar nicht verhindern kann, besser gesagt: Niemand.

2. den netten Motivationsfloskeln, die man mir in ordentlich lautem Tonfall, damit ich auch merke, wie ernst sie gemeint sind, ins Gesicht föhnt, zB „Schmarotzer“, „Sage nie: Das kann ich nicht, denn das heißt: Das will ich nicht.“, „Willst du mal auf Hartz IV leben?“, „Ruh dich halt aus auf deiner Diagnose“, „Das hat nichts mit irgendeiner Krankheit zu tun, das ist Faulheit“, und spätestens nach einer halben Minute macht sich dann auch die Filterschwäche wieder bemerkbar, nur dass es sich noch über mindestens fünf von den vollen selbigen hinziehen wird, auch wenn ich grad eigentlich Star Trek sehen will, um genau die überlasteten Filterrudimente wieder zu kühlen…

3. der fiesen Diskrepanz zwischen meinem Schlaf-Wach-Zyklus und den etablierten Arbeitszeiten. Dabei wäre, von allen Widerlichkeiten im Alltag, dem am ehesten abzuhelfen. Gleitende Arbeitszeit ist ein Anfang, bei mir gibt es keine, aber wenn „gleiten“ den Zeitraum zwischen 6.30 und 8.00 umfasst, dann ist das der schlechteste Witz, den man machen kann, wenn man nicht Mario Barth oder Atze Schröder oder Joko&Klaas heißt.

…und da ihr daran nichts ändern könnt, bringen mir so Bekundigungen, die eher nach einer sehr bowdlerisierten Version (also minus die „bösen“ Charaktere und minus die Selbshass-Attacken der einen oder anderen Protagonistin) von „Friendship is Magic“ klingen als nach ernstgemeinten Sympathiebekundigungen, herzlich wenig, und ich denke, dasselbe nehmt ihr auch für euch selbst in Anspruch.

Ach, und zu der Sache mit dem Aktivitätszyklus wollte ich nochmal anmerken: Ja, ich find’s verdammt großartig, dass man alle niedrigen Treppen mit Rampen ausstattet und alle neuen niedrigen Treppen mit solchen ausstattet, ansonsten grundsätzlich Fahrstühle einbaut, dass alle Ampeln mit Tonsignal ausgestattet und alle Filme mit Untertitel/Bildbeschreibung auf Kanal B gesendet werden. Das würd ich um alles in der Welt niemals aufgeben (auch wenn es für mich nicht von Relevanz ist), aber es reicht eben nicht und einen abweichenden Aktivitätszyklus mit Willensstärke und Gewohnheit anzupassen, ist für jemand, der an jeder Art von Zwang und an der Unerreichbarkeit seiner Vertrauten (die er nunmal nicht in unmittelbarer Reichweite findet) verzweifelt, schlicht und nichtmal ergreifend, sondern nervig, unmöglich. Wenn den andern also meine mentale und physische Integrität am Herzen liegt, tun sie gut daran, mir zu ermöglichen, erst um zehn anzufangen.

 

 

Warum ich die Überschrift gewählt hab? Öhm ja. Es ist ein saudummes Wort und ein saudummer Begriff, aber ein bisschen diskriminiert fühl ich mich schon und bin auch ziemlich angepisst…

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Über onechordbassist

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