Von innen.


Ich seh mir die Dinge halt gern von innen an, Menschen, Flugzeuge, Züge oder Würmer, würd gern alles auseinandernehmen, zusammenbauen, als Module neu montieren oder womöglich auch ganz neu erzeugen, vor allem die Würmer und die Menschen…

…oder beziehungsweise…

…ist dir jemals aufgefallen, wenn so ein Mensch bei einer OP am offenen Herzen durch die Vorbereitung läuft, gekühlt wird, bis seine Zellen nur noch 20% des normalen Sauerstoffbedarfs in Ruhe konsumieren…

…und dann, damit die Chirurgen bequem am Herzen arbeiten können, ohne sich zu verschneiden auch noch das Herz selbst auf Null gebracht wird und seine Funktion und die der Lunge von einer Maschine vollständig übernommen wird und das auf beliebig lange Zeit, das Gehirn infinitesimal nahe an der Nulllinie…

…und die Arterien gehen nahtlos in Plastikschläuche über, wie auch Plastikschläuche tief in der Harnröhre, bis zur Blase und im Mastdarm und auch in der Luftröhre stecken…

…also der ganze Mensch gar nicht mehr ein selbsterhaltendes Lebewesen ist, sondern plötzlich und vorübergehend (!) eine funktionsfähige Einheit mit den Apparaten bildet, erhalten wird von etwas ganz simpel zu bauendem (also, sagen wir im Verhältnis zu vier Milliarden Jahren Evolution) und das beliebig lang…

…wie bewusst einem dann auf einmal wird, dass der Mensch eben nicht, wie er oft gerne haben möchte, von der Natur getrennt ist, sondern auch nach genau diesen Gesetzen funktioniert, in seinem Verhalten nicht ausschließlich, doch unter der Haut ausschließlich das ist, denn ganz plötzlich wird einem klar, dass man so einen Menschen mit Gerätschaften am Leben erhalten kann, die nach den allersimpelsten mechanischen Gesetzen funktionieren…

…und man bekommt dann eine Ahnung davon, wie dünn die Grenze zwischen lebender und toter Materie ist, so infinitesimal dünn wie die zwischen der Hirnlinie und der Null, nein, noch viel dünner, sei es in Dimensionen, sei es in ihrer Dichte…

…und wie unglaublich dumm es doch nur sein kann, in Lebewesen so etwas wie eine „Lebenskraft“ hineinzuinterpretieren. Halt das Herz an, keine Lebenskraft bringt’s wieder zum Schlagen. Schneide ein Stück Gehirn aus, keine Lebenskraft erhält deine Persönlichkeit. Überfriss dich zehn Jahre an einem Antidepressivum, keine Lebenskraft rettet deine Nieren.

 

Und ich glaube, das ist es, was die Esos fürchten, wenn sie gegen die pöhse Apparatemedizin sind, gegen die moderne Medizin insgesamt.

 

Doch Lebenskraft hieße auch: Wie viel weniger wert wäre uns dann unsere körperliche Unversehrtheit oder die der anderen; die Lebenskraft wird’s ja schon wieder richten.

 

 

 

 

 

(REEEE-dukt! REEEE-dukt! REEEE-dukt!)

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Über onechordbassist

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Eine Antwort zu Von innen.

  1. mSecond schreibt:

    Mit Esoterikern, die so einen Bohei um die Lebenskraft machen, hatte ich noch nicht zu tun.
    Eher mit welchen, die das „Positiv-Denken“ auf einen erstaunlich hohen Level des Selbstbetruges gehoben (oder geschmissen) haben und mit einer, die dank eines Buches (irgendwas mit „Celestine“) lernen wollte zu levitieren.

    Lebenskraft setze ich gleich mit Eigenverantwortlichkeit, Einsichtsfähigkeit und Vernunft.

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