Deutschland…


…ist das Land, in dem eine Volkstümliche Schlagertruppe schon seit Jahren keinen einzigen Ton selbst singt, sondern alles von Studiomusikern eingespielt ist und live ein bisschen Playback dudelt, wirklich der letzte Dorftrottel das noch weiß, selbst wenn ihm die Schweinejauche schon aus den Ohren läuft, und in dem es trotzdem Empörung regnet, wenn das dann rauskommt, Betrug! Betrug! da muss man hart durchgreifen, liebe Judikative!

Man WEISS, was hinter sowas steckt und wenn man sich darauf einlässt, lässt man sich darauf ein, dass einem ein Imitat verkauft wird. Da ist kein bisschen Betrug, zumindest nicht mehr Betrug als bei einer Band wie Metallica oder den Böhsen Onkelz oder Frei.Wild, vielleicht sogar weniger, weil hier (=im Volkstümlichen Schlager) ganz klar Konformismus verkauft wird und das nichtmal verhohlen wird, im Gegensatz zu besagten Schlagertruppen mit DS-1. Volkstümlicher Schlager versucht nichtmal, irgendeinem Anspruch als Musik oder Kunst oder von Kreativität gerecht zu werden und da muss man also auch nicht so tun, als wär da irgendwas dabei, offenzulegen, was ohnehin schon jeder weiß.

Viel interessanter wär’s tatsächlich, mal klar zu benennen, dass auch die komplette Deutschrock-Soße ebenso wie der sogenannte ehrliche, erdige Rock (weiszt schon, AC/DC und son Schiss) sich in nichts vom VTS unterscheidet, abgesehen davon, dass man das auch noch für authentisch hält; echte Männer halt, die noch wissen was sie wollen und die Frau halt auch mal ganz romantisch an die Wand pressen. Auch diese Musik ist kein bisschen mehr als ein Produkt, eine Ware, ein Fetisch, etwas, das vor Jahren eine Marktnische geöffnet hat und nun in dieser Marktnische hervorragend Platz findet; diese Marktnische ist die Musik und sind die Texte, das nicht nur, weil verschiedene musikalische Genres verschiedene Bedürfnisse erfüllen, sondern, weil für diese Bands eine Nachfrage existiert, die zu erfüllen sie sich verpflichten. Und so ist auch eine der am häufigsten gehörten Erklärungen zur eigenen Musik nicht: „Wir machen das, weil uns das grad im Kopf rumgeht“, sondern: „Wir machen das, weil uns unsere Fans am Herzen liegen“, und wahrscheinlich glauben die Doublebass-Roland-Kaisers das auch noch selbst.

Wenn eine Band dann tatsächlich mal macht, weil’s grad im Kopf rumgeistert, oder weil man bissle rumgealbert hat und auf einmal war’s cool, dann sind die Fans enttäuscht. Bitterlich und dann hassen sie die Band und werfen ihr Ausverkauf (sic!) vor. Siehe Load, siehe Weidners Soloprojekt (das ich aufgrund meiner bewussten Ignoranz der Musik der Onkelz und alles was mit ihnen zu tun hat gegenüber noch immer nicht kenne).

Und deshalb hat auch der gemeine Rock-/Hardrock-Fan nicht das geringste Recht, irgendetwas der Schlagerindustrie vorzuwerfen. (Es gibt aber auch noch mehr Gründe, warum er dieses Recht nicht hat.)

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Über onechordbassist

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