Märchen.


Es waren einmal drei Mörder. Der erste hieß Machdocheinfachmal. Der zweite hieß Dumusstdochnur. Der dritte hieß Wenndueinfachmal.

Machdocheinfachmal, Dumusstdochnur und Wenndueinfachmal lebten bei ihrem Vater, dem großen Berufsmörder Kopfhoch. Der hieß Kopfhoch, weil er seine Opfer immer bat, den Kopf hoch zu nehmen, damit er besser durchschlagen konnte. Die vier lebten glücklich und zufrieden in einem Haus genau zwischen der Stadt der Zufriedenen Menschen, dem Finsteren Forst der Flammenden Fürchte und dem Sumpf der Ewigen Traurigkeit. Oft gingen einige Bewohner der Stadt in den Forst oder in den Sumpf, um dort ein Jahr oder vielleicht auch länger zu leben. Dann kamen die andern Bewohner der Stadt zu dem kleinen Häuschen, in dem die vier Mörder wohnten und sprachen:

„Großer Herr Kopfhoch, unsere Tochter ging in den Sumpf der Ewigen Traurigkeit, dort wollte sie leben für alle Tage. Wir aber wollen sie zurück. Bringt sie uns, wir werden es Euch reich vergelten.“

Und der Herr Kopfhoch und seine drei Söhne Machdocheinfachmal, Dumusstdochnur und Wenndueinfachmal zogen in den Sumpf. Die Tochter der Familie saß auf einer Insel, aß einen Fisch und weinte.

Da traten der Herr Kopfhoch und seine drei Söhne an die Insel heran und sprachen zur Tochter. „Kopf hoch“, sagte der Herr Kopf hoch. „Lach doch einfach mal“, sagte Machdocheinfachmal. „Du musst doch nur aufhören zu weinen“, sagte Dumusstdochnur. „Wenn du einfach mal aufhören würdest, diese Fische zu essen, wärst du auch nicht mehr so traurig“, sagte Wenndueinfachmal.

Doch das Mädchen hörte nicht. „Verschwindet, so verschwindet doch, ich will euch hier nicht“, schrie sie die vier an, „Ich weiß, wer ihr seid, und ich weiß, was ihr tut. Verschwindet doch endlich, ihr bösen Geister.“

Doch der Herr Kopfhoch und seine drei Söhne hörten solche Dinge nicht gerne! Denn wenn sie ihre Arbeit taten, so war es eine gute Arbeit, sie waren ja keine Mörder, sondern sie mussten die Menschen töten, weil sie nicht hören wollten!

Da packten Dumusstdochnur und Wenndueinfachmal das Mädchen bei den Armen und bei den Beinen, sodass sie noch im Tragen stand, und steckten ihre Füße tief in den Schlamm des Sumpfes. „Kopf hoch“, sagte Kopfhoch. „Schwimm doch einfach mal“, sagte Machdocheinfachmal. „Du musst doch nur waten im Wasser“, sagte Dumusstdochnur. „Wenn du einfach mal ein Boot bauen würdest, kämst du hier raus.“, sagte Wenndueinfachmal.

Und Kopf hoch und seine drei Söhne entschieden, die Tochter selbst solle das Boot sein. So schnitten sie mit ihren Knochensägen durch die Schultern und durch die Hüften des Mädchens und sprachen: Schau, da sind deine Arme, da sind deine Beine! Deine Arme seien deine Ruder, und deine Beine seien dein Steuer! Und sie schnitten mit ihren Knochensägen durch das Genicke des Mädchens und nahmen den Kopf, legten ihn auf ihre Brust und sprachen: Dieses nun ist der Rumpf deines Bootes, fahr nun hinaus, zurück in die Stadt.

Und Kopfhoch sprach: „Kopf hoch, sonst ertrinkst du.“ Und Machdocheinfachmal sprach: „Fahr doch einfach mal zurück zur Stadt.“ Und Dumusstdochnur sprach: „Du musst doch nur deine Arme ins Wasser tauchen und sie durch das Wasser ziehen und deine Beine ins Wasser tauchen und sie im Wasser biegen.“ Und Wenndueinfachmal sprach: „Wenn du einfach mal auf uns hören würdest, wärst du auch nicht so krank im Kopf.“

Doch wie hätte die Tochter sie dann noch hören können?

 

Kopfhoch, Machdocheinfachmal, Dumusstdochnur und Wenndueinfachmal leben übrigens noch immer und machen keine Anstalten den Weg aller Märchenkönige zu gehen.

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