Warum Zionismus eben KEINE! völkische Idee ist.


Antideutschen wird häufig an den Kopf geworfen, sie seien Nationalisten bzw. folgten einer völkischen Ideologie. Das mag vielleicht bei oberflächlicher Betrachtung auch so sein. Warum der (antideutsche) Zionismus aber genau das nicht ist, sondern eine notwendige Haltung, möchte ich hier erläutern. Außerdem möchte ich im zweiten Teil auf die gar nicht so feine Trennung zwischen Antisemitismus und Rassismus hinweisen, aber auch erläutern, warum beide (doch wieder:) untrennbar zueinander gehören.

I

 

Um das heutige Judentum bzw. die jüdische Gemeinschaft zu verstehen, muss man erkennen, dass es weder Volk noch Religion, zugleich aber beides ist. Die jüdische Gemeinschaft ist deshalb kein Volk, weil sie ethnisch viel zu heterogen ist. Sie ist auch keine Religionsgemeinschaft im strengen Sinn, denn es gibt nicht nur ungefähr so viele Talmudinterpretationen wie Juden, sondern sehr viele Juden sind nicht einmal religiös bzw. sogar bekennende Atheisten. Eigentlich existiert „der Jude“ gar nicht, sondern wird konstruiert als ein Projektionsobjekt – und dieses Projektionsobjekt ist es, das von Antisemiten verfolgt wird! Es ist völlig egal, ob man als Jude selbst religiös ist, sich als Teil des Volkes Israel sieht, sich überhaupt als Jude empfindet: Wenn man jüdische Vorfahren hat, ist man der Jude. Antisemiten lesen den Juden in allem, was man tut.

Das heißt also: Nicht die Antisemiten mögen die Juden nicht wegen ihres Verhaltens oder irgendwelcher Eigenschaften, sondern: Antisemiten haben die Juden erst erfunden! Natürlich nicht die Juden als Menschen, aber doch die jüdische Gemeinschaft in ihrer heutigen Form, die ein Ergebnis der Diaspora ist, in nahezu allem. Wären die Juden nicht zu aller Zeit ständig der Verfolgung ausgesetzt gewesen, wären sie nicht ständig Objekt von Paranoia und Schuldzuweisungen gewesen, sie wären heute nur noch marginal präsent oder würden als Gruppe nicht mehr existieren, hätten sich assimiliert.

Die Identifikation der Juden als Juden ist also weniger eine Identifikation als ein Volk oder eine Nation, sondern eine Identifikation der Verfolgten als (für eine gemeinsame Zuschreibung) Verfolgte. In diesem Sinne ist Israel ebenfalls keine Nation wie sie völkische Ideen in Europa beschreiben, sondern die Zuflucht jedes einzelnen Menschen, der als Jude – nicht als jemand, der eine bestimmte Religion hat, sondern als DER JUDE!!!, d.h. der Ewige Jude – verfolgt wird. Daraus wird deutlich, warum gerade Israel diesen Sonderstatus hat und von allen Nationen als längste bestehen muss.

II

 

Nun sieht man auch, dass Antisemitismus zwar zutiefst rassistisch, jedoch im Wortsinne kein Rassismus ist. Zwar konstruieren Rassismus wie auch Antisemitismus „Rassen“, die bestimmte biologisch bedingte und daher unveränderliche Eigenschaften haben, und deren manche zur Herrschaft und manche zur Sklaverei bestimmt sind. Und sie gehen Hand in Hand, bedingen einander sogar.

Der Unterschied besteht darin, wie man welche Eigenschaften zuschreibt: Rassismus im strengen Sinn beschreibt „unterlegene“ „Rassen“, die von der Natur, Gott, der Vorsehung, bitte einfügen dafür bestimmt sind, der „überlegenen“ „weißen Rasse“ zu dienen, diese wiederum zur Herrschaft. Das muss nicht offensichtlich sein und nicht einmal bewusst, kann sehr subtil und oft auch gutgemeint sein. Rassismus sieht die „fremde“ „Rasse“ Tieren näher als die eigene, oder sogar als der eigenen, und bedient sich oft der Tiermetapher. Auch das ist häufig sehr subtil und auch eher selten bewusst. An anderer Stelle werde ich mehr dazu schreiben.

Antisemitismus ist insofern rassistisch, als er dem Juden Eigenschaften zuschreibt, die ihm ganz eigen sind, die er durch seine Abstammung unveränderlich eingeschrieben hat. Nun ist der Jude aber nicht von Gott, der Natur, der Vorsehung, bitte einfügen zum Dienen bestimmt, sondern er wird als sogar überlegenes Element beschrieben, das entgegen der von der Natur, Gott, der Vorsehung, bitte einfügen gewollten Ordnung die heimliche Herrschaft über so ziemlich alles, was man gerade als „erkrankt“ identifiziert entweder bereits hat oder anstrebt oder – meistens – beides zugleich und merkwürdigerweise ohne dass jemand einen Widerspruch darin sehen würde. Der Jude möchte die von Gott, der Natur, der Vorsehung, bitte einfügen gewollte Ordnung zerstören, denn er ist ein Wesen des Satans, das Böse schlechthin, und das grundsätzlich! Es wird gar nicht einmal gefragt, in welchem Kontext die Beschreibung steht, es ist so! Auch Juden werden oft mit Tiermetaphern beschrieben – auch die, die „ja eigentlich nichts gegen Juden [haben], aber das was Israel da macht, ist noch schlimmer als…“, sagen „Ratten“ ad nauseam, aber sie „meinen es ja nur gut mit den Juden“, so gut, dass man sie erziehen muss, weil „wir aus der Geschichte gelernt“ haben* – aber sie sind nicht die „halben Tiere“, die nicht intelligent genug sind, um sich um sich selbst zu kümmern, und daher der schützenden Hand der Weißen bedürfen, sondern sie sind eine lebensfremde Macht, die unrechtmäßig die Herrschaft an sich reißt, ja, sie sind Satans Schöpfung!

Hier wird nun auch deutlich, warum zumindest weißer Antisemitismus und Rassismus voneinander abhängen: Wenn ich von Gott, der Natur, der Vorsehung, bitte einfügen zur Herrschaft vorgesehen bin und feststelle: Es ist nicht so, vielmehr bin ich denen unterlegen, die doch von Gott, der Natur, der Vorsehung, bitte einfügen zum Dienen vorgesehen sind, und wenn diese „halben Tiere“ dann Rechte für sich einfordern, sogar ihre Emanzipation!, dann geht es nicht mit rechten Dingen zu: Jemand hat das alles inszeniert, um die natürliche Ordnung zu untergraben und dann selbst zu herrschen! Und wir wissen auch wer! Die Juden waren’s! Die Juden Juden Juden Juden! Um Unfrieden zu stiften, die natürliche Ordnung zu untergraben, um ihre Macht zu mehren, um Satans macht zu mehren, um ihren natürlichen Trieben freien Lauf zu lassen, um… ach, sie haben eine Million Gründe, von denen alle passen, denn es sind die Juden!
Scheiß Emanzionisten!

* Merke: Auch fast 70 Jahre später haben die Juden immer noch nichts aus dem Holocaust gelernt!

III

 

Anzumerken ist, dass die oben beschriebenen Mechanismen selten so offensichtlich sind, wie ich es hier schreibe. Viel schlimmer ist, dass sie sehr subtil sind: Norbert Blüm schreibt ein Buch, auf das der Bürger mit Sicherheit voller Freude angesprungen ist und gar nicht gemerkt hat, was der Titel suggeriert. Hat vielleicht nichtmal Herr Blüm selbst. Doch illustriert eben dieser Titel genau das, was ich oben beschreibe. Er ist nachgerade der Archetypus dieser Dinge. Blüms Titelwahl und die Begeisterung des Bürgers für Formulierungen dieser Art. Denn Antisemiten brauchen eigentlich gar keine tatsächlich existierenden Juden, Antisemiten erschaffen sie. Und hätte es nie sowas wie Juden gegeben, Antisemiten würden sie erfinden.

Kritik ist mir sehr wichtig, also bitte auch Kritik einbringen!

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